Ich bin hier bisher drei Personen begegnet....
Wir sind hier zwei Angestellte und ich, das war's. Es gibt keinen Wasserkopf. Es gibt keine großen Menschenansammlung hinter mir, vor mir....
Sie haben die zweibändige Rig-Veda-Ausgabe vorgelegt. Ein Reprint. Sehr, sehr preiswert. Aber Sie veröffentlichen auch Neuübersetzungen. Zum Beispiel die um 623 geschriebenen Ethymologiae des 2001 zum Patron des Internet ernannten Isidor von Sevilla.
Die erste vollständige deutsche Fassung.
Dabei kommt sie in jeder halbwegs vernünftigen Philosophiegeschichte vor, als einer der zentralen Texte der abendländischen Überlieferung. Er war für Leute wie mich bisher nicht greifbar. Durch Ihre Aktion kann ich ihn heute lesen. Nicht, dass man jetzt denkt, oh wahnsinnig tolle Sachen, muss man unbedingt gelesen haben. Aber wenn man sich für Philosophiegeschichte interessiert, kann man endlich mal nachschlagen und merken, aha, kurioses Ding. 736 Seiten, 25 Euro. Wie kalkulieren Sie das? Wer kriegt alles kein Geld dabei?
Also, ich gehöre zu den Verlagen, die ihren Autoren Honorare zahlen.
Was kriegt man denn pro Seite für so eine Übersetzung?
Die Hälfte des Garantie-Honorars gibt es bei Vertragsunterzeichnung, die andere Hälfte bei Erscheinen.
5000 Euro?
Das schwankt. Ich rechne auf Ihr Verständnis. Ich kann natürlich nicht mein Zahlenwerk preisgeben. Aber ich kann sagen, dass ich fair zu jedem bin. Wenn ein Titel wirklich gut läuft mit mehreren Auflagen, dann werden Autoren und Übersetzer nachhonoriert.
Also, Isidor von Sevilla, von dem gab es, solange es die deutsche Sprache gibt, keine komplette Übersetzung.
So ist es.
Und der Mann, der das übersetzt hat,…
…eine Frau…
Wie lange hat die gebraucht?
Frau Dr. Möller hat an dem "Isidor" acht Monate gesessen.
Wirft das nicht ein schreckliches Licht auf die Wissenschaftsgeschichte, die Institution Universität? In den letzten 1000 Jahren haben Zehntausende über Isidor von Sevilla geschrieben. Übersetzt hat ihn keiner.
Es ist für mich eine wirkliche Lücke, die da geschlossen wird. Er ist auch amüsant zu lesen. Bei den etymologischen Ableitungen lachen Sie sich kaputt.
Also acht Monate braucht die Übersetzerin. Wie lange brauchen Sie, bis das Buch dann draußen ist?
Das geht erst einmal in ein Lektorat, ein freies Lektorat. Erstens, weil ich mir einen festen Angestellten nicht leisten könnte. Zweitens aber wegen der Themenvielfalt. Ich bin ja kein Kochbuchverlag, da kann ein Lektor oder Redakteur alle Titel machen. Ich brauche Theologen, Philosophen, Sinologen, Geographen, Historiker. Das kann ein Mensch nicht leisten. Ich arbeite sehr gerne entweder mit emeritierten Professoren oder auch mit Lehrern, oder pensionierten Lehrern, die sehr akribisch sind. Das macht sehr viel Spaß, weil die sehr schnell sind. Das heißt, der "Isidor" war vielleicht drei Wochen im Lektorat. Dann ging er in den Satz. Zehn Tage. Dann kommt die Umbruchrevision mit dem Korrekturlauf, dann geht der Band in den Druck. Das heißt, wir sprechen insgesamt von einer Zeitspanne von etwa zehn Monaten.
Und Sie haben das Zutrauen, dass das alles okay ist?
Das muss ich. Wir haben jetzt die ersten Besprechungen zum "Isidor". Sie sind sehr gut.
Wie hoch ist die Auflage des "Isidor"?
Dreitausend Stück.
Und wie lange dauert es, bis Sie die Hälfte davon los sind?
Im Idealfall würde ich diese Auflage in einem Jahr verkaufen.
3 000 Exemplare! Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer der großen Verlage - Suhrkamp zum Beispiel - eine höhere Auflage des "Isidor" gemacht hätte. Wie Sie die Kosten klein halten, habe ich jetzt begriffen. Aber was Sie nicht verkaufen, wie lange halten Sie das?
Also, da gibt es zum einen die Buchpreisbindung, das heißt, der Ladenpreis ist 18 Monate lang geschützt. Diese 18 Monate muss jeder Verlag durchhalten, und danach muss man natürlich ganz klar abwägen. So ein Buch, das sich nicht verkauft, verursacht Lagerkosten, und wenn ein Buch sich überhaupt nicht mehr bewegt, dann ist der erste Schritt eine Ladenpreisänderung oder eine Ladenpreisaufhebung - je nachdem. Also bei mir ist es so, meine Originalrechte mache ich natürlich mit Ladenpreisänderungen, bei Lizenzausgaben folgt eine Ladenpreisaufhebung, und dann folgt der sogenannte Ramsch. Wenn diese Ausverkaufsfrist ausgelaufen ist, dann folgt die ganz, ganz bittere Makulatur.
Und in welchen Zeiträumen spielt sich das ab? Haben Sie noch ein Buch aus ihrem ersten Programm, dem von 2004?
Lieferbar sind zwei Bände, von denen ich mich um keinen Preis trennen möchte. Erstens das erzählerische Werk von Théophile Gaultier - 1358 Seiten, jetzt für 9,95 Euro, ein Schatz.
Mit einem scheußlichen Umschlag.
Mit einem Umschlag, der vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Aber Gaultier ist wunderbar. Ein Rausch. Er lässt Farben und Bildern in einem entstehen, die machen so viel Spaß. Aber das Buch war nicht zu vermitteln. Es ist lange nicht so aufgenommen worden, wie Gaultier es unbedingt verdient hätte. Einzig das Feuilleton der Zeit hat den Band gebührend gefeiert. Der zweite Titel ist "Deutschland" von René Trintzius.
Copyright © FR-online.de 2009 - Erscheinungsdatum 25.03.2009